So viel Sachlichkeit muss sein: Großsiedlungen für Flüchtlinge sind und bleiben integrationsfeindlich.

Eine Antwort auf die Pressemitteilung von Frau Krischok (MdHB, SPD) – von VIN Rissen

  • Soziologe Prof. Friedrichs sagt: „Wir wissen genau, dass diese großen Siedlungen falsch sind.“
  • VIN Rissen  befürwortet sozialen Wohnungsbau
  • Frau Krischok sollte an den Veranstaltungen teilnehmen, die Sie kommentiert

Was Anne Krischok nicht weiß, ist für einen Stadtsoziologen wie Prof. Jürgen Friedrichs allerdings Stand der Forschung und leicht zu erklären:

“Wir bauen uns ein Problem" Oftmals fehle das Geld, um eine kleinteilige Unterbringung der Flüchtlinge zu gewährleisten. Wenn deren Anteil zehn Prozent in einem Wohnviertel überstiegen, dann sei aber mit Konflikten zu rechnen, so Friedrichs im Deutschlandfunk.

Der Senat hat sich Anfang 2016 eine Bürgschaft von knapp 1 Mrd € für die Großsiedlungen absegnen lassen. An Geld scheint es in Hamburg also nicht zu fehlen. Vielmehr an dem politischen Willen etwas nachhaltig sinnvolles umzusehen.

Prof. Friedrichs gibt weiter Auskunft in einem ZEIT-Interview:

 

ZEIT ONLINE: Herr Friedrichs, in Hamburg plant die Stadt gerade an mehreren Standorten Großsiedlungen für Asylbewerber, beispielsweise auf einer Wiese an einem Eisenbahndreieck sollen 800 Wohnungen für bis zu 4.000 Menschen entstehen, bezugsfertig bis Weihnachten 2016. Was halten Sie davon?

Jürgen Friedrichs: Nichts. Die Flüchtlinge werden so konzentriert und auch noch diskriminiert. Man erkennt sofort: "Da wohnen die Asylanten." So wird ein ganzes Wohngebiet zum Flüchtlingsheim. Das ist nicht gut. Die Menschen dort haben keinen Austausch mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Deutsche treffen sie dann allerhöchstens mal im Supermarkt. Sie können von ihnen im Alltag nicht lernen. Sie haben keine anderen Verhaltensmodelle als die anderen Flüchtlinge in der unmittelbaren Nachbarschaft, an denen sie sich bei der Integration orientieren können.

…..

Es wäre viel besser, die Flüchtlinge über unterschiedliche Stadtteile zu verteilen, in kleineren Gruppen, sie einzugliedern in die bestehenden Wohnstrukturen. Baulücken zu bebauen und vernünftigen sozialen Wohnungsbau zu ermöglichen, in dem sich Deutsche und Migranten mischen. Je kleinflächiger die Unterbringung, desto besser. 400, 500 oder 600 Personen sind falsch.

 

 

Frau Krischok erklärt nun in Ihrer Mitteilung: „Am Standort Suurheid in Rissen sollen bis zu 2.000 Flüchtlinge untergebracht werden. Für Sülldorf plant man mit insgesamt 744 Flüchtlingen. Sülldorf liegt zwar in räumlicher Nähe von Rissen, wird aber unabhängig davon betrachtet.“

Das ist die Politik von SPD und Grünen, die wir in den letzten Monaten kennen gelernt haben. Man sieht nur das, was man sehen will. Man findet gut, was man gut finden muss. Und wer Recht haben will, fragt vorher Olaf Scholz, was er denn denken soll. Es ist interessant, dass Frau Krischok sich trotz solcher Äußerungen eine sachliche Diskussion wünscht.

 

Aber wenigstens sind wir uns jetzt einig: Sachlichkeit ist der Weg.

 

Sehen wir also den Tatsachen ins Auge:

 

  • 2.000 + 744 = 2.744 = Großsiedlung
    (Die Flächen Sieverstücken und Suurheid sind durch einen Gartenzaun getrennt. Baudezernent Gerdelmann selbst sagte am 22.3. auf der DIALOG-Veranstaltung, dass Sülldorf/Rissen als eine Einheit zu betrachten sei.)
  • Die Tatsache, dass der Senat immer noch 2.744 Flüchtlinge in einer Großsiedlung isolieren will, wird dadurch einfach nicht besser, dass der Bau ursprünglich einmal für 4.000 Geflüchtete vorgesehen war und nun Wohnungen für 370 Einheimische hinzugefügt wurden.
  • Werden Großsiedlungen dieser Art für Flüchtlinge gebaut, diskriminiert und stigmatisiert dies die Flüchtlinge von Anfang an. (s. FriedrichsBuschkowsky)
  • Zur Bebauung von Rissen 45: Nach 10-jähriger Planung liegt ein Bebauungsplan vor, der aus guten Gründen 230 WE=Wohneinheiten (also rd. 550 Personen) vorsieht. SPD und Grüne wollten aber beschließen, dort 800 WE zu realisieren, nun sollen es 600 WE werden. Der rechtkräftige, gültige Bebauungsplan gilt augenscheinlich nicht für die Hamburger Regierung. 

  • Zur Infrastruktur von Rissen 45: Für die geplanten 230 Wohneinheiten sollte aus guten Gründen eine Brücke gebaut werden. Für die nun von SPD und Grünen vorgesehenen 600 WE soll keine Brücke mehr gebaut werden. Warum? Eine sachliche Antwort haben wir bereits erhalten: „Flüchtlinge fahren kein Auto.“

 

 

Daher fordert VIN Rissen  konkret, konstruktiv und sachlich:

 

VIN befürwortet den sozialen Wohnungsbau.

VIN Rissen hat mehrfach geäußert, dass Sozialwohnungen benötigt werden und der Bau in Rissen durch das geltende  Baurecht möglich ist - im Unterschied zu vielen anderen Flächen. Allerdings schlägt VIN einen ¼ Mix vor. (So wird der Wohnungsbau von einem 1/3 Mix zu einem  ¼ Mix erweitert. Das würde bedeuten, dass man  ¼ Eigentum, ¼ Vermietung,  ¼ Sozialwohnung, ¼ Flüchtlingswohnung realisieren könnte = große Integrations-Chance!)

 

Wir fordern Wohnungsbau für alle Wohnungssuchenden und damit einhergehend Dezentralisierung.

Zurzeit geht Hamburg einen Sonderweg. Für die Flüchtlinge existiert das eine Wohnungsbauprogramm. Für die Hamburger existiert das andere Wohnungsbauprogramm. Wir fordern SPD und Grüne dazu auf, diese Trennung aufzuheben, um Integration von Anfang an zu ermöglichen. Es existiert soviel Potential zur Schaffung von Wohnraum in Hamburg. Diese Stadt braucht kein Wohnungsbauprogramm nur für Flüchtlinge. Die Integration der Flüchtlinge muss an erster Stelle stehen – wir brauchen Wohnungsbau für ALLE Wohnungssuchenden.

 

Unsere Aufforderung an Frau Krischok:

Frau Krischok könnte sich dafür einsetzen, dass die Flüchtlinge von Anfang an durch ein sinnvoll durchmischtes Wohnen im Stadtteil integriert werden. Sie könnte sich dafür engagieren, dass schließlich alltägliche Begegnungen, unkomplizierte Gespräche, selbstverständliche Hilfsangebote zum gemeinsamen Leben in diesem Stadtteil dazugehören. Sie könnte sich dafür stark machen, dass Bedingungen hergestellt werden, die zu funktionierenden Nachbarschaften führen.

 

Dass es durchaus möglich wäre, kleinere Unterkünfte für ALLE Hamburger zu realisieren, dürfte Frau Krischok dabei klar sein. Damit beschäftigen sich SPD und Grünen allerdings nur zu selten.

 

Allerdings ist es so, dass Frau Krischok selbst nicht an den stattgefundenen Veranstaltungen der Bürger-Dialoge teilgenommen hat und sich während einer gemeinsamen Stadtentwicklungsausschusssitzung im CCH lieber mit Facebook- und Twittereinträgen beschäftigte. Wir konnten nicht den Eindruck gewinnen, dass Frau Krischok sich wirklich intensiv mit all diesen Fragen beschäftigen will.

Falls aber doch: Setzen Sie sich für eine kluge Planung ein. Denken Sie an Professoren wie Herrn Friedrichs, der sagt: „Wir wissen, dass es falsch ist.“ Hören Sie Experten zu, und entscheiden Sie sich dafür, Fehler zu vermeiden. Nehmen Sie die Integration in den Blick, nicht nur die Unterbringung der Menschen. Sorgen Sie dafür, dass die Flüchtlinge endlich nicht mehr in den Baumärkten warten müssen, stellen Sie die Weichen jetzt. Ganz sachlich. Ganz richtig. Und am besten klug.

 

Wir brauchen keine Großunterkünfte. Wir brauchen Nachbarn.

 

Pressemitteilung von Frau Krischok.

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